Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt und
manche Tanne ahnt...

(Rilke)

Es treibt der Wind im Winterwalde

Gedicht - Text - Interpretation - Advent von Rainer Maria Rilke

Das ist sicher eines der berühmtesten und beliebtesten Advents-, Weihnachts- und Neujahrsgedichte. Es hat eine praktische Länge und passt auf jeden Kartenwunsch oder eignet sich zum Auswendig lernen und Aufsagen. Geschrieben wurde es von dem bekannten österreichischen Lyriker und Erzähler Rainer Maria Rilke.

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

(Rainer Maria Rilke, 1875-1926, österreichischer Erzähler und Lyriker)

Erscheinungsdatum 1913, Advent Rilke auf Wikisource

Interpretation

Vielleicht machte Rilke einen Spaziergang durch den Wald, an einem Tag im Advent, wo es gerade mit Stürmen und Schneien begann. Diese Stimmung spiegelt sich uns in seinem Adventsgedicht. Zu Beginn des Gedichtes lenkt er unsere ganze Aufmerksamkeit auf den Wind. Dieser braust zügig durch den Wald, wie eine Herde Schafe, die eilig in Sicherheit gebracht werden muss. Womöglich kommt noch mehr Schnee.

Bereits in der dritten Zeile geht der Blick weg vom Wind und zeigt auf die Tanne. Diese ahnt bereits, was kommen wird. Fromm und lichterhellig soll sie werden. Vielleicht wird sie mit Kerzen und Glitzerzeugs behängt in einer Stube stehen und darf mit den Menschen Weihnachten feiern. Sie streckt ihre Zweige hin, wie wenn sie sagen möchte: "Komm, gib mir deine Hand, wir gehen gemeinsam dem Fest der Herrlichkeit entgegen."

Der Tannenbaum, der symbolisch steht für Fruchtbarkeit und Lebenskraft, die Kerzen für Hoffnung. Im Sinne von: mit gemeinsamer Kraft gehen wir ins neue Jahr, weil Hoffnung nur gemeinsam funktioniert.

(© Interpretation geschrieben von Monika Minder, 8. Dez. 2018)

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Je mehr Liebe man gibt, desto mehr besitzt man davon.

(Rilke)

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Habe Geduld gegen alles Ungelöste in deinem Herzen und versuche, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forsche jetzt nicht nach den Antworten, die dir nicht gegeben werden können, weil du sie nicht leben kannst. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Lebe jetzt die Fragen. Vielleicht lebst du dann allmählich, ohne es zu merken, eines Tages in die Antwort hinein.

(Rilke)

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Die Vibration von jeder reinen tiefen Tätigkeit pflanzt sich nach allen Seiten gleichmäßig fort wie die Schwingung einer aus purer Freude geläuteten Glocke.

(Rilke)

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Eines ist nur wahr neben dem anderen, und ich denke immer, die Welt ist geräumig genug vorgesehen, um alles zu erfassen: das, was war, muß nicht von der Stelle geräumt, nur langsam verwandelt werden, so wie das, was sein wird, nicht von den Himmeln fällt im letzten Augenblick, sondern immer schon neben uns, um uns und in unserem Herzen sich aufhält, auf den Wink wartend, der es ins Sichtbare ruft.

(Rilke)

Advent - Es treibt der Wind im Winterwalde - Wikisource

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