Adventskalender mit Gedanken, Adventssprüche für jeden Tag

Zur Weihnachtszeit

Besinnliches Weihnachtsgedicht und andere schöne Gedichte zur Weihnachtszeit von dem bekannten deutschen Dichter und Schriftsteller Achim von Arnim sowie gute Bücher- und Geschenk-Tipps.

Zur Weihnachtszeit

Was leuchtet durch die Nacht so helle
Und weckt das Haus mit heilgem Graus?
Ein Kind tritt aus des Himmels Schwelle
Und klopft an's ird'sche Lebenshaus.

Wer hat die Tür so fest verschlossen,
Dass es so lange harren muss?
Das Kindlein klopfet unverdrossen
Der Mutter scheint's ein Todesgruss.

Mit Schmerz und Tod hat sie gerungen
Weil ihr das Kind verloren schien,
Und unverhofft ist's eingedrungen,
Sie sieht in ihm ihr Leben blühn.

Ja, wo ein Kind der Welt geboren,
Da scheint die Nacht wie Tag so klar,
Die Nachbarn grüssen an den Toren,
Als finge an ein neues Jahr.

Nur Hirten kennen ganz den Segen,
Der durch Geburt die Welt erneut,
Wenn sie das Lamm zur Mutter legen,
Die Mutter sich am Anblick freut.

Der Anfang lag im Ew'gen Geiste,
Im Menschenwillen lag er nicht,
Und wie der Hochmut sich erdreiste,
So bildet Kunst kein Angesicht.

Ein jedes Kind ist neuerfunden
Und überrascht das Mutteraug',
Verborgne Zukunft wird entbunden
In seinem ersten Lebenshauch.

Die Mutter freut sich nun der Erde,
Von der sie schon der Schmerz erhob,
Und schnell vergessen ist Beschwerde
In dieser Schöpfung erstem Lob.

Es fliessen ihre Wonnezähren,
Sie tritt zurück ins Paradies,
Das Weib wird selig durch Gebären
Und die Erlösung ist so süss.

Doch Keine, die nicht ist geweihet
Durch Gottes Geist, durch Engelgruss,
Erträgt, was heut Maria freuet
In ihres Kindes erstem Kuss:

Was Hirten Engeln nachgesungen,
Was himmlisch ihr verkündet ist,
Dass sie von Gottes Geist durchdrungen,
Und dass ihr Kind der heilge Christ.

In Freudentaumel würde brechen
Das stärkste Herz in Weibesbrust,
Wenn Engel aus dem Himmel sprechen,
Dein Kind ist Gott, des Himmels Lust.

Nur eine Jungfrau kann's ertragen,
Der ird'sche Lust noch unbewusst,
Dass diese Weihe heilger Sagen
Jetzt ruht an ihrer keuschen Brust.

Maria selbst muss sich in Sorgen
Zerstreun beim heilgen Kind im Stall,
Dass sie erträgt den freudgen Morgen,
Sie winket still dem Hirtenschall.

Sie winkt, dass sie ihr Kind nicht wecken
Mit ihrem Jubel auf der Flur,
Sie muss das Kind im Frost zudecken,
Den Frühling menschlicher Natur.

Es kann die Welt noch nicht erlösen
Von ihres Winters harter Zeit,
Sie dient noch neben ihm dem Bösen,
Zur Prüfung dient ihr noch der Streit;

Und alle Weisen werden kommen
Und bieten ihm Geschenke dar
Und haben doch noch nicht vernommen,
Was dieses Kind urewig war.

Allmählich wird die Welt sich stärken
Zu schaun sein göttlich Angesicht,
Wenn sich in treuer Liebe Werken
Das Auge weiht dem neuen Licht.

Doch keiner kann voraus verkünden
Wann diese Welt dem Ewgen reift,
Wann Er von Tugenden und Sünden
Mit Richterhand die Hülle streift.

Wer wagt von uns mit irdschen Ohren
Zu hören dieses Tags Gebot,
Wenn aus den hohen Himmelstoren
Vernichtung unsrer Erde droht,

Wenn ewger Frühling dort geboren,
Und hier des Winters ewges Reich,
Und die erkoren, die verloren
Sich scheiden für die Ewigkeit.

(Achim von Arnim, 1781-1831, deutscher Schriftsteller)



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Abendstern

Schlaf nur ein geliebtes Leben,
Schlaf, ich will ja gern zufrieden seyn,
Deine lieben Augen geben
Dennoch deinem Diener hellen Schein.
Hast du dich verschlossen,
Will ich unverdrossen
Liebend doch vor deiner Thüre stehn;
Daß sie Liebe quäle,
Jauchzet meine Seele,
Darf ich liebend doch an deiner Thüre stehn.

Schlaf nur ein, dein Sternenschimmer
Läßt mich nie zu meinem Bette gehn,
Meine müden Augen sehn dich immer,
Bis sie vor den deinen untergehn,
Wie die Blätter fallen,
Also werd ich fallen,
Unter deinem Fusse rauschen hin,
Mild bist du den Armen,
Trage mir Erbarmen,
Unter deinem Fusse rausch ich hin.

Schlaf nur ein, und heiss mich wachend gehen,
Herz und Seele bleibet doch bei dir,
Will mir mit dem Tag die Sonne untergehen,
Ist ein Liebeshimmel doch in mir,
Denn da seh ich immer
Deiner Sterne Schimmer,
Wie sie flüchtig auf mein Herze gehn,
Säh ich dich doch morgen,
Liess ich alle Sorgen
Also flüchtig durch mein Herze gehn.

(Achim von Arnim, 1781-1831, deutscher Schriftsteller)



Weihnachten

Weihnachten, ach Weihnachten,
Du warst der Kinder Trost,
Die noch im Schlafe lachten,
Du Schlaf mir bald entflohst,
Die Stunden hell mir schlagen,
Wem sagen
Sie an den Tag so schnell,
Mein Wächter ist da drüben,
Er sagt mir an den Tag,
In Schmerzen vorzuüben,
Was hohe Lust vermag.
Zur Kirch bin ich gegangen,
Vergangen
War mit Verzweiflung schnell,
Es bleibt zurück
Ein sinnend  Glück,
Und in dem Traum ein tiefer Blick,
Wie in der Kinder Aug' entzückt,
Wie ich sie halb noch schlafend drück,
Süß springt der Augen Quell.
Des Traumes deutend Summen
Ich nun ermessen kann:
Soll alle Lust verstummen,
Erstirbt ein hoher Mann?
Die Thränenfluthen brausen
Mit Grausen,
Der Menschen Haus versinkt!
Der Alte steigt als Taube
Verjünget aus der Fluth
Mit einem grünen Laube
Im Schnäblein sorgsam gut,
Auf einem Buch sie sitzet,
Das blitzet,
Und schwimmt und nicht ertrinkt,
Mit Perlen ist
Beschlagen, wißt,
Das war's, was da der Alte liest,
Als er die arme Neugier grüßt;
Dies Buch such auf, du frommer Christ,
Das dir den Frieden bringt.

Die Schmerzensfluthen weichen,
Der Berg bleibt unverletzt,
Die neuen Menschen gleichen
Den Stämmen, die versetzt,
Es treibt sie edler Leben,
Sie geben
Nun edle Früchte nur.

Es wird aus Erdenschlünden
Das Buch der Vorzeit mein,
Und ihre schweren Sünden
Sind abgewaschen rein,
O wollt das Trauren stillen,
Will füllen
Mosaisch jede Spur,
Am Boden hell
Der Himmelsquell
Ist eingelegt, so Well auf Well,
Die Taube bleibet mein Gesell
Und trinkt des Buches ew'gen Quell,
Gott's Wort in der Natur.

(Achim von Arnim, 1781-1831, deutscher Schriftsteller)



Dreikönigslied

Gott so wollen wir loben und ehrn,
Die heiligen drei König mit ihrem Stern,
Sie reiten daher in aller Eil
In dreisig Tagen vierhundert Meil,
Sie kamen in Herodis Haus,
Herodes sahe zum Fenster raus:
Ihr meine liebe Herrn, wo wollt ihr hin?
Nach Bethlehem steht unser Sinn.
Da ist geboren ohn' alles Leid
Ein Kindlein von einer reinen Maid.
Herodes sprach aus grossem Trotz:
Ey warum ist der hinder so schwarz?
O lieber Herr, er ist uns wohl bekannt,
Er ist ein König im Mohrenland,
Und wöllend ihr uns recht erkennen,
Wir dörffend uns gar wohl nennen.
Wir seynd die König vom finstern Stern,
Und brächten dem Kindlein ein Opfer gern,
Myrrhen, Weihrauch und rothes Gold,
Wir seynd dem Kindlein ins Herz nein hold.
Herodes sprach aus Uebermuth,
Bleibend bei mir, und nehmt für gut,
Ich will euch geben Heu und Streu,
Ich will euch halten Zehrung frey.
Die heiligen drei König thäten sich besinnen,
Fürwahr, wir wollen jezt von hinnen.
Herodes sprach aus trutzigem Sinn,
Wollt ihr nicht bleiben, so fahret hin.
Sie zogen über den Berg hinaus,
Sie funden den Stern ob dem Haus,
Sie traten in das Haus hinein,
Sie funden Jesum in dem Krippelein.
Sie gaben ihm ein reichen Sold,
Myrrhen, Weyhrauch und rothes Gold.
Joseph bei dem Kripplein sass,
Bis dass er schier erfroren was.
Joseph nahm ein Pfännelein,
Und macht dem Kind ein Müsselein.
Joseph, der zog seine Höselein aus,
Und macht dem Kindlein zwey Windelein ' raus.
Joseph, lieber Joseph mein,
Hilf mir wiegen mein Kindelein.
Es waren da zwey unvernünftige Thier,
Sie fielen nieder auf ihre Knie.
Das Oechselein und das Eselein,
Die kannten Gott den Herren rein.

(Achim von Arnim, 1781-1831, deutscher Schriftsteller)

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